Klimawandel

Alarmierende Beschleunigung: Globale Gletscherschmelze schreitet weiter voran

Die globale Gletscherschmelze hat sich im hydrologischen Jahr 2025 auf hohem Niveau fortgesetzt. Abseits der beiden großen Eisschilde Grönlands und der Antarktis verzeichneten die Gletscher weltweit einen Netto-Massenverlust von 408 (± 132 Gigatonnen). Dieser entspricht einem Beitrag zum globalen Meeresspiegelanstieg von 1,1 (± 0,4 mm) innerhalb eines Jahres. Die GeoSphere Austria trägt durch die kontinuierliche Vermessung von fünf Referenzgletschern in den Alpen und in Grönland wesentlich zur globalen Datenbasis bei. Die aktuellen Ergebnisse wurden nun im Fachjournal Nature Reviews Earth & Environment sowie im European State of the Climate Report 2025 veröffentlicht.

Die Zahlen verdeutlichen eine alarmierende Beschleunigung: Während der Verlust zwischen 1976 und 1995 noch unter 100 Gigatonnen pro Jahr lag, hat er sich im vergangenen Jahrzehnt (2016 bis 2025) auf durchschnittlich 390 Gigatonnen pro Jahr fast vervierfacht. Sechs der verlustreichsten Jahre der Messgeschichte fielen in die vergangenen sieben Jahre. Michael Zemp, Direktor des World Glacier Monitoring Service (WGMS) und Hauptautor der Studie, zieht einen anschaulichen Vergleich: „Der jährliche Massenverlust der Gletscher im Jahr 2025 hätte in jeder einzelnen Sekunde des Jahres fünf olympische Schwimmbecken gefüllt.“

Die neue Analyse basiert auf einer komplexen Zusammenführung von direkten Feldmessungen und globalen Modellierungen. Bernhard Hynek, Gletscherforscher an der GeoSphere Austria und Mitautor der Studie, erklärt den methodischen Ansatz: „Was diese Analyse wissenschaftlich so belastbar macht, ist die Assimilation umfangreicher In-situ-Messdaten von Referenzgletschern weltweit. Diese lokal erhobenen Daten wurden mittels geostatistischer Verfahren auf die globale Gesamteisfläche extrapoliert. Erst die Verknüpfung präziser direkter Messdaten mit regionalen Klimamodellen und Fernerkundungsdaten ermöglicht es, die Unsicherheiten in der Massenbilanzierung signifikant zu reduzieren und ein repräsentatives Abbild der weltweiten Gletschervariationen zu erstellen.“

Messungen an 150 Gletschern weltweit

Weltweit wird jährlich an rund 150 Gletschern die Massenänderung direkt gemessen; diese Daten dienen als Referenz für globale Modelle. Die GeoSphere Austria steuert fünf dieser Messprogramme bei: an der Pasterze (Österreichs größtem Gletscher), an drei kleineren Gletschern in der Umgebung des Sonnblick Observatoriums sowie am Freya-Gletscher in Nordost-Grönland.„Der Freya-Gletscher nimmt im internationalen Gletschermonitoring eine besonders wichtige Rolle ein, da es aus Grönland aufgrund der Abgelegenheit nur sehr wenige direkte Messdaten gibt: Während in den Alpen jährlich über 40 Gletscher vermessen werden, sind es in ganz Grönland nur fünf“, so Hynek.

Freya Gletscher

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Der Freya-Gletscher im August 2025 von der GeoSphere-Webcam. © foto-webcam.eu.

Ein Vergleich verdeutlicht das Skalenproblem der Gletscherschmelze. Anton Neureiter, ebenfalls Gletscherexperte an der GeoSphere Austria und Mitautor der Studie: „Während die Pasterze in den Alpen im Jahr 2025 über eineinhalb Meter an Eisdicke verlor, büßte der Freya-Gletscher in der kälteren Arktis nur etwa einen halben Meter ein. Der entscheidende Faktor für den Meeresspiegel ist jedoch die Fläche: Aufgrund ihrer enormen Ausdehnung transportieren die arktischen Gletscher trotz langsamerer Schmelzrate weitaus größere Wasservolumina in die Ozeane als die kleinen alpinen Eisflächen.“

Die flächenspezifische Schmelzrate war im vergangenen Jahr in Westkanada und den USA, in Island sowie in Mitteleuropa am stärksten ausgeprägt. Die mengenmäßig größten regionalen Beiträge zum globalen Massenverlust stammten 2025 jedoch aus den großflächig vergletscherten Gebieten Hochasiens, Alaskas und der russischen Arktis.

Hintergrundinformation

In der Klimaforschung wird zwischen den Gebirgsgletschern und den zwei massiven Eisschilden in Grönland und der Antarktis unterschieden:

  • Gebirgsgletscher („Frühwarnsysteme“): Sie reagieren unmittelbar auf klimatische Änderungen. Ihr verbleibendes Schmelzpotenzial liegt bei etwa 32 bis 41 cm Meeresspiegeläquivalent. Die Messung erfolgt meist durch nationale Programme mit Expertenteams vor Ort.
  • Eisschilde („Schlafende Riesen“): Grönland und die Antarktis verloren 2025 rund 250 Gt an Masse. Der Trend ist hier insbesondere in Grönland und der Westantarktis deutlich steigend. Ein vollständiges Abschmelzen entspräche einem Meeresspiegelanstieg von über 65 Metern. Die Überwachung erfolgt primär durch internationale Satellitenmissionen und komplexe Modellierungen.

Zahlen & Fakten (hydrologisches Jahr 2025):

  • Massenverlust Gebirgsgletscher: 408 Gt (entspricht 1,1 mm Meeresspiegelanstieg).
  • Massenverlust Eisschilde (Grönland/Antarktis): ca. 250 Gt.
  • Beitrag GeoSphere Austria: 5 von ca. 150 weltweiten Referenz-Messreihen.
  • Referenzgletscher der GSA: Freya-Gletscher (Grönland), Pasterze, Kleinfleißkees, Goldbergkees, Wurtenkees (Hohe Tauern).
2 Personen montieren eine Wetterstation

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Arbeiten an einer automatischen Massenbilanz-Messstation auf einem Gletscher in Grönland. © GeoSphere Austria.