Durchschnittliches Erdbebenjahr
Im Jahr 2025 wurden mit dem Stationsnetz des Erdbebendienstes der GeoSphere Austria weltweit rund 9.600 seismische Ereignisse registriert. 1.100 Erdbeben wurden in Österreich lokalisiert, davon waren 61 für die Bevölkerung spürbar. Außerdem wurden 2025 in Österreich sieben Erdbeben aus dem benachbarten Ausland wahrgenommen.
„Im Jahr 2025 wurden in Österreich insgesamt 68 Erdbeben von der Bevölkerung verspürt“, sagt Seismologin Rita Meurers von der GeoSphere Austria, „diese Zahl liegt etwas unter dem Durchschnitt von jährlich 78 Erdbeben in den vergangenen zehn Jahren. Mit Ausnahme von einzelnen Haarrissen und geringen Verputzschäden verursachten Erdbeben im Jahr 2025 in Österreich keine Gebäudeschäden.“
Die beiden stärksten Ereignisse des Jahres hatten jeweils eine Magnitude von 3,2 und wurden in Niederösterreich im Mostviertel bei Scheibbs und im südlichen Wiener Becken bei Neunkirchen registriert.
Die Zahl instrumentell registrierter Erdbeben in Österreich lag 2025 mit 1.100 ebenfalls ein wenig unter dem Mittelwert der vergangenen Jahre.
Die kontinuierliche Erweiterung des Stationsnetzes sowie die Kooperation und der Datenaustausch mit nationalen und internationalen Institutionen sind für den Österreichischen Erdbebendienst der GeoSphere Austria von großer Bedeutung, um die optimale seismische Überwachung des gesamten Bundesgebietes zu gewährleisten.
Die Zahl der verspürten Erdbeben war 2025 in der Steiermark mit 18 relativ hoch. Mehr als die Hälfte dieser Beben ereignete sich im Gebiet zwischen Unzmarkt und Judenburg. An zweiter Stelle lag im Jahr 2025 Niederösterreich mit 17 verspürten Erdbeben, die meisten davon im südlichen Wiener Becken und im Semmeringgebiet. In Tirol gab es 2025 mit 14 spürbaren Erdbeben deutlich weniger als in den vergangenen Jahren. Die stärksten wurden hier in Wörgl und Pfunds mit jeweils Magnitude 3,0 lokalisiert. In der Reihung der Bundesländer folgen Salzburg mit fünf, Kärnten mit drei und Oberösterreich und Vorarlberg mit jeweils zwei verspürten Erdbeben. Aus dem benachbarten Ausland wurden 2025 sieben Erdbeben in Österreich wahrgenommen – mit Epizentren in Italien, Slowenien und Kroatien.
Über das Online-Wahrnehmungsformular des Erdbebendienstes der GeoSphere Austria und über die App „QuakeWatch Austria“ langten 2025 rund 1.600 Wahrnehmungsberichte beim Österreichischen Erdbebendienst der GeoSphere Austria ein. Die meisten Meldungen (264) wurden zum Erdbeben am 13. Februar 2025 in Wörgl gesendet.
Die Informationen aus der Bevölkerung geben Auskunft über die Stärke der Fühlbarkeit und ermöglichen die Ermittlung des Intensitätsgrades auf der Europäischen Makroseismischen Skala EMS-98 (siehe unten). Sie sind außerdem ein wesentlicher Beitrag zur Bestimmung der Erdbebengefährdung in Österreich. Der Österreichische Erdbebendienst dankt der Bevölkerung für die zahlreichen Meldungen.
Die Magnitude ist ein Maß für die im Erdbebenherd freigesetzte Energie. Sie wird aus instrumentellen Aufzeichnungen (Seismogrammen) ermittelt. Die Bestimmung der Magnitude ist unabhängig von Schäden und Fühlbarkeit und geht auf den amerikanischen Geophysiker Charles Richter zurück.
Die Intensität beschreibt die Auswirkungen eines Bebens an der Erdoberfläche. Die meisten Länder in Europa, einschließlich Österreich, verwenden zur Bestimmung die 12-stufige Europäische Makroseismische Skala 1998 (EMS-98).
Am 13. Februar ereignete sich um 11:43 Uhr MEZ in Wörgl, Tirol (47,49°N, 12,08°O) ein Erdbeben der Magnitude 3,0. Es wurde von vielen Personen im Umkreis von etwa 12 Kilometern deutlich verspürt. Vereinzelt waren die Erschütterungen bis Innsbruck, Kössen und Jochberg wahrnehmbar. Es wurden 264 Wahrnehmungsberichte von der Bevölkerung gesendet, die meisten aus Wörgl, Langkampfen, Kufstein und Kirchbichl. Die Erschütterungen wurden als deutlich, beunruhigend und teilweise als erschreckend beschrieben. Gebäude wurden schwach bis deutlich gerüttelt, Gegenstände und Flüssigkeiten bewegten sich. Das Beben ereignete sich in einer relativ großen Herdtiefe von 11 Kilometern. Die Intensität betrug in den Orten rund um das Epizentrum 4 Grad auf der 12-stufigen Europäischen Makroseismischen Skala (EMS-98).
Zahlreiche Personen wurden am 2. Mai um 01:47 Uhr MESZ durch ein kräftiges Erdbeben der Magnitude 3,2 aus dem Schlaf geweckt. Das Epizentrum lag etwa 6 Kilometer südlich von Scheibbs, Niederösterreich (47,96°N, 15,15°O). Viele erschraken und beobachteten ein deutliches Rütteln von Gebäuden, Möbeln und Gegenständen. Die Epizentralintensität betrug 4 bis 5 Grad auf der EMS-98. Es war das stärkste Erdbeben in der Umgebung von Scheibbs seit dem historischen Erdbeben im Jahr 1876, das größere Schäden an zahlreichen Gebäuden verursacht hatte.
Einige Kilometer südwestlich von Berndorf, Niederösterreich (47,92°N, 16,06°O) bebte die Erde am 13. Juli um 13:13 Uhr MESZ mit einer Magnitude von 3,0. Die Erschütterungen waren im Gebiet zwischen Baden, Wiener Neustadt und Pernitz zum Teil deutlich spürbar. Wegen der relativ großen Herdtiefe von etwa 14 Kilometern betrug die Intensität nur knapp 4 Grad (EMS-98).
Am 5. August ereignete sich um 11:55 Uhr MESZ ein Erdbeben der Magnitude 3,0 etwa 4 Kilometer östlich von Pfunds, Tirol (46,96°N, 10,60°O). Von der Bevölkerung wurde das Beben im Oberinntal zwischen Prutz und Nauders als ein schwaches bis deutliches Zittern und Grollen wahrgenommen. Ein Rütteln von Bildschirmen und die Bewegung von Flüssigkeiten in Gläsern wurden beobachtet. Vereinzelt konnte das Beben auch im Freien verspürt werden. Die Epizentralintensität erreichte 3 bis 4 Grad auf der EMS-98.
Eines der beiden stärksten Erdbeben des Jahres ereignete sich am 20. Oktober um 13:54 Uhr MESZ mit Epizentrum etwa 2 Kilometer westlich von Neunkirchen, Niederösterreich (47,72°N, 16,06°O). Das Beben der Magnitude 3,2 wurde von vielen Personen deutlich bis stark wahrgenommen. Gebäude rüttelten, Gegenstände und Flüssigkeiten bewegten sich. Dem Erdbebendienst wurden mehr als 120 Wahrnehmungsberichte zugesandt. In Einzelfällen wurden Haarrisse und das Herabfallen von kleinen Verputzstücken gemeldet. Die Epizentralintensität erreichte 4 bis 5 Grad (EMS-98).
Im Mölltal, Kärnten, ereignete sich ein kräftiges Erdbeben am 29. Oktober um 10:23 Uhr MEZ mit Epizentrum bei Flattach (46,93°N, 13,13°O). Bei einer Magnitude von 3,0 wurden die Erschütterungen zum Teil stark verspürt und ähnlich wie eine Explosion beschrieben. Gebäude rüttelten deutlich, einige Personen erschraken und verließen das Gebäude. Die maximale Intensität betrug 4 bis 5 Grad auf der EMS-98.


