Meteorologie, Katastrophenschutz

Polarlichter über Österreich durch starken geomagnetischen Sturm

Space Weather Office der GeoSphere Austria meldet die höchste Feldstärke im erdnahen Sonnenwind seit 31 Jahren.

In der Nacht auf Dienstag (20.1.2026) traf ein starker Sonnensturm auf das Magnetfeld der Erde und verursachte weltweit in vielen Regionen beeindruckende Polarlichter, auch in Österreich. Probleme an Satelliten, Navigationssystemen und Stromnetzen sind vorerst nicht bekannt. Aber insbesondere Störungen von satellitengestützten Navigationssystemen sind nicht ganz auszuschließen. Durch den geomagnetischen Sturm sind auch erhöhte Strahlungswerte für Astronauten und Flüge auf polaren Routen zu erwarten.

Bergpanorama mit Polarlichtern

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Polarlicht über Österreich. Aufgenommen in der Nacht auf 20. Jänner 2026 in der Sonnblickregion in den Hohen Tauern. © www.foto-webcam.eu.

Schnellster Sonnensturm des laufenden Sonnenzyklus

„Der aktuelle Sonnensturm erreichte nahe der Erde eine außergewöhnlich hohe Feldstärke von 91 Nano-Tesla, was dem Zehnfachen des Durchschnittswerts entspricht. Vergleichbare Messwerte hat es in unseren Aufzeichnungen, die 1995 beginnen, noch nie gegeben. Damit handelt es sich um den stärksten registrierten Wert seit mindestens 31 Jahren“, sagt Christian Möstl, Leiter des Space Weather Office der GeoSphere Austria.

Mit einer Geschwindigkeit von rund 1.178 Kilometer pro Sekunde (4,2 Millionen Kilometer pro Stunde) war es zudem der schnellste Sonnensturm des laufenden Sonnenzyklus, der die Erde getroffen hat.

Auswirkungen auf die Erde etwas gedämpft

„Bemerkenswert ist, dass dieser außergewöhnlich starke Sonnensturm nicht den stärksten geomagnetischen Sturm des aktuellen Sonnenzyklus ausgelöst hat, aber immerhin eine der vier stärksten Polarlichtnächte“, erklärt Möstl. „Der Grund dafür liegt in der Ausrichtung des Magnetfeldes im Inneren des Sturms: Dieses war nahezu exakt nach Norden gerichtet und damit ungünstig orientiert, um effizient mit dem Erdmagnetfeld zu koppeln. Wäre die Ausrichtung entgegengesetzt gewesen, hätte sehr wahrscheinlich der stärkste geomagnetische Sturm seit 1989 auftreten können, möglicherweise sogar seit 1921. In einem solchen Szenario wären eventuell auch großflächige Stromausfälle möglich gewesen. Eine genaue Abschätzung erfordert jedoch noch weitere Simulationen.“

Wertvolle Daten durch Raumsonde Solar Orbiter der ESA

Die Raumsonde Solar Orbiter der europäischen Raumfahrtbehörde ESA lieferte erneut wertvolle Hinweise zur Entwicklung des Sonnensturms und ermöglichte eine fundierte Vorhersage einige Stunden im Voraus. Der Sturm hatte die Sonde bereits in einer Distanz von rund 110 Millionen Kilometern passiert. Dadurch war die Magnetfeldstruktur des Ereignisses frühzeitig bekannt.

Das Ereignis unterstreicht eindrucksvoll die Bedeutung des sogenannten Upstream-Monitorings. Auf diesem Gebiet zählt das Space Weather Office der GeoSphere Austria zu den international führenden Forschungsgruppen. Das Ziel dabei ist, in den Prognosesystemen möglichst frühzeitig wertvolle Informationen von Raumsonden zu verarbeiten, um die Beschaffenheit des heranziehenden Sonnensturms und seine möglichen Auswirkungen auf die Erde zu beurteilen.

Sonnenzyklus: auch 2026 noch sehr aktive Sonne

Der Grund für die relativ große Zahl an Polarlichtern seit 2024 liegt in natürlichen Schwankungen der Sonne. „Wir befinden uns derzeit im Maximum des sogenannten 11-jährigen Sonnenzyklus. In dieser Phase bildet die Sonne vermehrt Magnetfelder, die als Sonnenflecken sichtbar sind. Diese Phase hält auch 2026 noch an. Ab 2027 wird sie wieder schwächer, bis der nächste Zyklus Anfang der 2030er Jahre einsetzt“, erklärt Christian Möstl vom Space Weather Office der GeoSphere Austria.

Gefährdung für Stromnetze und Navigationssysteme

Die Sonne sendet ständig Strahlung und geladene Teilchen in den Weltraum. Bei einer Sonneneruption (Sonnensturm) wird von der Sonne innerhalb kurzer Zeit eine große Menge an Teilchen ausgestoßen, zusammen mit starken Magnetfeldern. Trifft ein Sonnensturm auf das Magnetfeld der Erde, kann er Polarlichter verursachen und im Extremfall auch Störungen bei Satelliten, Navigationssystemen und Stromnetzen.

Eines der weltweit führenden Space Weather Teams

Um rechtzeitig vor solchen Ereignissen zu warnen, arbeitet das Space Weather Office der GeoSphere Austria in Graz an innovativen Methoden zur Echtzeit-Vorhersage von Sonnenstürmen und zählt mittlerweile zu den weltweit führenden Organisationen in diesem Bereich.